Samstag, November 20, 2010

Was ich im Moment so treibe:

- Syrisch lernen. Ein nur zweistündiger Kurs; da aber alle Teilnehmer davor schon mindestens eine semitische Sprache gelernt haben, überlässt der Dozent ziemlich viel unserer eigenständigen Nacharbeit, und wir kommen ganz gut voran. Ein Nachteil ist, dass es wohl kein aktuelleres Lehrbuch gibt; unseres ist von Carl Brockelmann und stammt aus dem Jahr 1912. Das Gute daran: wir mussten es nicht kaufen, es ist online zu haben, genau wie Brockelmanns besonders hilfreiches Lexicon Syriacum (syr.-lat.). Ich habe das dumpfe Gefühl, dass mir Arabisch danach einfach vorkommen wird.

- ein Seminar zu Messias und Christus in jüdischen und christlichen Liturgien. Ende Januar werde ich eine Stunde gestalten zum Thema Pessach. Dafür benutze ich im Moment:
  • Das Kapitel "Pessách" (bzw. S. 240-269) aus Wie Juden leben von Israel Meir Lau - das Buch ist sehr ausführlich, ein wirklich hervorragender Ausgangspunkt, um (orthodoxen) jüdischen Alltag kennenzulernen und zu verstehen.
  • Die Artikel "Passover" und "Messiah" aus der Encyclopaedia Judaica. Dummerweise hab ich zu spät gemerkt, dass es in der Lehrbuchsammlung schon die neueste Auflage gibt, aber das lässt sich beheben.
  • Aus dem Babylonischen Talmud, Edition Goldschmidt, Traktat Sanhedrin 97-99. Wie ergiebig das in Bezug auf Pessach wird, weiß ich noch nicht. Der Traktat Pesachim war mir jedenfalls zu umfangreich, um es ohne weitere Hinweise durchzuarbeiten. Hier eine hübsche Kleinigkeit für den interessierten Online-Leser, gerade entdeckt. Ohne Hebräischkenntnisse und ohne Einführung ist Talmud-Lesen aber leider relativ witzlos.
  • Ausgeliehen hab ich zur Vorbereitung außerdem den Machsor von Sachs, Teil 7 und 8; Betendes Judentum von Schalom Ben-Chorin und Wie Juden beten von Jakob J. Petuchowski - wieviel Nutzen mir das bringt, weiß ich noch nicht, aber ich sammle mir in der UB eben gerne Bücher zusammen.
- für eine Übung übersetze ich jede Woche einen der Zionstexte, z. B. die Psalmen 46-48. Diese Psalmen nehmen z.T. einen starken Bezug auf die Götterwelt der ugaritischen "Nachbarn". Spannend ist dabei weniger, dass es diese Anleihen gibt, sondern auf welche Weise die Vorstellungen der Umwelt aufgegriffen und verändert werden: Zum Beispiel werden die Fremdvölker zu Repräsentanten der Chaosmächte aus dem Baals-Mythos - neben den Mythos tritt also Geschichte, beides durchdringt sich gegenseitig.

- ein Lektürekurs, erstes Buch Samuel übersetzen, von Anfang an. Eher läppisch, weil nur 5-8 Verse pro Woche, aber manche der Verbformen haben's wirklich in sich, ganz zu schweigen vom schwer durchschaubaren Satzbau. Selbst die Professorin ist manchmal ratlos.

- ein Seminar über die Gottesknechtslieder in Jesaja. Kein regelmäßiges Übersetzen und zum Glück auch sonst wenig Vorarbeit für die Sitzungen. Dafür aber regelmäßige Blicke nach Osten ins aufblühende Perserreich, zu Kyros und Dareios, und unterhaltsame Diskussionen darüber, wer jeweils mit dem Knecht gemeint gewesen sein könnte.

Dazu noch ein paar Vorlesungen und ein etwas lästiges Kirchengeschichte-Unterseminar. Bin aber wirklich glücklich mit der Mischung. Vielleicht schaff ich's sogar, mal den einen oder anderen Ertrag hier zu posten.

Noch Fragen? :)

9 Kommentare:

Alex hat gesagt…

Wenn Du schon drum bittest: kennst Du ein empfehlenswertes, zum Selbststudium geeignetes Lehrbuch des Hebräischen- so als Vollblutsemitstin?

Yon hat gesagt…

Vollblutsemitistin in Ausbildung, bitte, bloß kein Lorbeerblättchen zuviel!

Ich hab mit Ernst Jenni: Lehrbuch der Hebräischen Sprache des Alten Testaments gelernt. Das kann einen zwar einschüchtern, hat aber aus meiner Sicht folgende Vorteile:
- Die Lektionen sind sinnvoll gegliedert: Vorübung, Vokabeln, Grammatik, ergänzende Einzelheiten, Übungen.
- Es enthält im Anhang die häufigsten und wichtigsten Vokabeln, alphabetisch, in beide Richtungen.
- Es hat ein ausführliches Register (Grammatischer Index)
- Zur Auflösung sind hinten die Bibelstellen der hebräischen Übersetzungssätze angegeben, gemeinerweise nicht nach Lektion sortiert, sondern nach Buch.
- Für Freaks gibt es Übersetzungsübungen in beide Richtungen.
- Lektion 15 und 30 sind zur Repetition.
- Dazu gibt es ein (leider etwas teures) Ergänzungsheft mit den Paradigmentabellen. Für mich hat sich diese zusätzliche Anschaffung 100% gelohnt, weil ich es auch jetzt noch bei jeder Übersetzung aufschlage. Hier sind die Lösungen dann auch nach Lektion sortiert.
- Und: wenn Du was nicht kapierst, kann ich im selben Werk für Dich nachschlagen, womit es genau hapert. :)

Die andere Frage ist natürlich, ob ich Selbststudium von semitischen Sprachen an sich empfehlen würde. Da käme ein klares Nein. Lass Dich davon aber nicht entmutigen. :D

PS: Ich bin jetzt davon ausgegangen, dass Du biblisches Hebräisch meinst. War richtig so, ja?

Rubens Rübenlese hat gesagt…

Woho- wo studierst denn du, und was, bei so einem Tollen Stundenplan...
Soll ich euch was von Frauen-Und Geschlechterforschung erzählen oder Theologie Interkulturell, das ist bei uns ganz groß :-|

Alex hat gesagt…

Ja!Genau den Jenni hab ich günstig gebraucht gekauft-und finde ihn eher einschüchternd... Da mir Schüchternheit eher fremd ist, auch mal eine Erfahrung. Wo es hapert? Hast Du auch ein Nachschlagewerk über Hirnchirurgie?

Yon hat gesagt…

Hirnchirurgie? Nein. Aber meine Mutter pflegte immer zu sagen: "Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen." Im grenzenlosen Vertrauen auf die Frau Mama hab ich das gelegentlich ausprobiert, wenn ich allein war. Nu, immerhin hab ich ein Abi geschafft... :)

Keine Angst vor Jenni! Vergiss die ganzen unnötigen Details über altphönizisches Alphabet und Masoreten, schreib Dir die Konsonanten aus 1.3.1.3 ab und mach Dich damit an Übung 1.1, und wenn das klappt, an 1.5.1.
Was Dir dabei unklar ist, suchst Du aus der Lektion zusammen. Wenn das nicht hilft, fragst Du mich nochmal. Und wenn Du verzweifelst, denk daran, dass ich damals jeden Tag eine Lektion lernen musste, vier Lektionen die Woche.
Willkommen in der wunderbaren Welt der Hebraistik.
:)

Alex hat gesagt…

Viele Grüße an die Muttter, nachdem ich meinen Hinterkopf intensiv mit dem Jenni bearbeitet habe, bin ich schon viel zuversichtlicher. Vielen Dank für das Hilfsangebot, werde vermutlich- wenn heftigere Schläge nicht helfen- gerne drauf zurückkommen. Gesegneten Sonntag!

Yon hat gesagt…

Übrigens: Mir hat es geholfen, die Buchstaben von Karteikärtchen zu lernen. Nimm ruhig gleich die Tabelle von S.30 (zur Aussprache siehe 2.3.1.4). Damit darfst Du Dir jede Menge Zeit lassen. Je flüssiger Du die Buchstaben erkennst, desto leichter fällt Dir alles andere. Hetz Dich da also nicht.

Und nicht zu fest auf den Hinterkopf klapsen! Eine gesegnete Woche wünsch ich... :)

.U. hat gesagt…

"Dummerweise hab ich zu spät gemerkt, dass es in der Lehrbuchsammlung schon die neueste Auflage gibt, aber das lässt sich beheben."?

Yon hat gesagt…

Ich bin kurzerhand in die Bibliothek gegangen und hab das Richtige kopiert. Man gönnt sich ja sonst nichts.