Sonntag, Juni 05, 2011

Ich sag mal was...

Erzbischof Zollitsch, so berichtet das Domradio,
"finde sich derzeit in der paradoxen Situation, dass er zwischen den verschiedenen Flügeln innerhalb der katholischen Kirche - etwa den Anhängern des reformorientierten Theologenmemorandums und der dagegen gerichteten „Petition Pro Ecclesia“ - vermitteln müsse, damit sie miteinander sprächen."
Nun, der Herr Erzbischof wird sich sicher freuen, dass auch ohne seine großzügige Vermittlung demnächst ein (von mir angestoßenes) Gespräch mit einem meiner Professoren- Unterstützer des Memorandums - stattfinden wird. Die Kontaktaufnahme jedenfalls verlief herzlich, und der Herr Professor wird sich in seiner Sprechstunde auch sicher nicht einer schäumenden Fundamentalistin ausgesetzt sehen. Soviel kann ich mal garantieren.

Eine der Erstunterzeichnerinnen führte bereits in den ersten Tagen nach Veröffentlichung der Petition ein fast 2-stündiges, intensives und gutes Gespräch mit einem der Unterzeichner des Memorandums. Auch das ganz ohne Vermittlung durch Erzbischof Zollitsch. Als gemeinsame Gesprächsbasis genügte die Tatsache, dass die beiden Katholiken - ungeachtet ihrer unterschiedlichen Positionen - fast täglich gemeinsam Eucharistie feiern.

Ich könnte aber auch von einem jungen Unterstützer der Petition berichten, der bei einer Podiumsdiskussion zum Memorandum in Stuttgart geladen war, um sich von der versammelten Menge niederschreien zu lassen - einschließlich von der Moderation. Dialog, so die Erfahrung, führen wir Petitionisten wohl besser nicht in der Unterzahl.

Oder vielleicht möchte Erzbischof Zollitsch auch seinen Amtsbruder, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, zum Thema befragen. Der hat sich vergangenen Dienstag in Münster mal auf Augenhöhe mit den Professoren und engagierten, reformorientierten Laien begeben und einen guten Eindruck vom Dialog außerhalb des Elfenbeinturms gemacht.
Exzellenz, ich kann Ihnen ein solches Erlebnis nur ans Herz legen. Begeben Sie sich in ein AudiMax in Münster und vertreten Sie für einen Abend lang ohne wenn und aber in klaren Worten die schlichte Lehre der Kirche. Stellen Sie sich, wie Weihbischof Zekorn, von Anfang an als Vertreter der über 14000 Gläubigen vor, die die Petition unterzeichnet haben. Sie werden staunen, wieviel Dialog ihnen da entgegenschlägt. Die Moderatorin hatte ihre liebe Mühe, den geballten Dialogwillen des Publikums in ordentliche Bahnen zu lenken. Ja, Sie werden etwas lauter und deutlicher reden müssen, um über das empörte bis feindselige Gemurmel hinweg gehört zu werden, das sich erhebt, wann immer Sie zu sprechen ansetzen. Eventuell dürfen Sie auch einen spannenden, außerplanmäßigen Austausch mit zornigen Zuhörern genießen, die Ihnen ihre Meinung direkt ins Gesicht rufen, statt (wie von der Organisation vorgesehen) dafür einen Zettel zu benutzen. Lassen Sie sich davon nicht beirren, dass all den anderen Rednern - allesamt den Inhalten und Forderungen des Memorandums zugeneigt - der nötige Respekt und die gebotene Fairness entgegengebracht wird, nur Ihnen nicht.
Glauben Sie mir - Sie werden sich schnell wünschen, es würde sich in dieser Debatte mehr angeschwiegen.
Vermitteln Sie doch, wenn Sie können, zwischen denen, die einfach nur der schlichten überlieferten Lehre der Kirche, der Sie Ihr Leben gewidmet haben, folgen wollen - und zwischen denen, die sich halblaut vor sich hinempören müssen, weil sie diese Lehre zu hören offenbar gar nicht mehr ertragen. Die Vertretern dieser Position selbst den grundlegenden zwischenmenschlichen Anstand versagen - nämlich zu schweigen und zuzuhören, während der andere redet.

Und wundern Sie sich in der Zwischenzeit nicht über diejenigen, die zu dieser Sorte "Dialog" schlicht keine Nerven mehr haben.


(Mit Dank an M., außerdem HT an Echo Romeo)

10 Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Yeah!

B. hat gesagt…

Sachmal, gibt es eigentlich irgendwo Mitschnitte von der Diskussionsrunde?

Yon hat gesagt…

Mitschnitte nicht; ich hab aber die Wortmeldungen der Teilnehmer mitgetippt. Kommt gleich per Mail. :)

.U. hat gesagt…

Ich würde mich auch darüber freuen.
Öh. meine Mail kommt noch.

Der Predigtgärtner hat gesagt…

War wohl nicht so der Klopper, was Erzbischof Zollitsch da beim domradio verkündet hat. Noch gibt es keinen Bürgerkrieg zwischen den Lagern in der katholischen Kirche....! Wirklich gut, wie der Artikel den Blick auf die Wirklichkeit zurückführt - danke!!!

Kurt H. Klaasen hat gesagt…

Nach der Lektüre dieses Beitrags möchte ich der papsttreuen Bloggerin jene Weisheit des verstorbenen Papstes Johannes XXIII. ans Herz legen, die er selbst bei der Führung seines Amtes behrzigte: "Giovanni, nimm dich nicht so wichtig".

http://glaube-und-kirche.de/roncalli.htm#2

Anonym hat gesagt…

Da fassen Sie sich doch gleich mal selbst an die eigene Nase, Herr Klaasen, dass Sie sich für so überaus WICHTIG halten, hier pseudospirituelle Tipps meinen geben zu müssen.

Stanislaus hat gesagt…

Wenn ich Herrn Klaasens zahlreiche Duftnoten im Internet so lese, scheint seine Empfehlung ihm selbst wohl am meisten zu helfen.

Im Gegensatz zu ansonsten viel Hetzerei halte ich Yons Beitrag für ausgesprochen sachlich und ausgewogen.

Archangelus hat gesagt…

Wieso, der Herr Klaasen meint doch gewiß Exzellenz Zollitsch, oder? ;))

Caruso Canary hat gesagt…

Allerwertester Kurt H. Klaasen,

erfreulich, dass auch Sie sich hier ein bringen. Da es hier aber mehr um den Austausch gegensätzlicher Argumente, das Abwägen dieser und um Meinungsbildung geht, vermisse ich bei Ihrem Beitrag sowohl den personalen Bezug als auch auch den inhaltlichen Bezug Ihres Rates.

Wären Sie bitte so nett, wenn Sie es noch mal versuchen, dann bitte mit Substanz zu posten?